Palazzo-Hosen
Sie sind so aktuell wie nie zuvor: Die neue (alte) Beinfreiheit
… Dabei kam das Spiel mit den Proportionen seit 90 Jahren nie aus der Mode.
Ob mit folkloristischen Mustern, Farbblöcken oder einfarbig. Aus Denim, Seide oder durchscheinendem Chiffon. Die neue Beinfreiheit, die Coco Chanel in den Zwanziger Jahren auf einer Reise nach Venedig in Form der praktischen Strandhose für das Seebad erfand, beschwört den Geist alter Tage und ist so aktuell wie nie zuvor. Zwar wurde die Röhre schon im letzten Jahr durch das Siebziger Jahre Revival abgelöst, doch im Gegensatz zur Hose mit Schlag können die neuen Palazzo-Hosen beides: luxuriös und ultra feminin genauso wie androgyn und mühelos lässig wirken. Denn je nach Styling besitzen sie entweder die Grandezza einer Marlene Dietrich oder eben die romantische Coolness eines Blumenkinds mit Schlapphut und hohen Clogs.
Und so verwundert es kaum, dass die Hose, deren Namen vom italienischen Wort für Palast stammt (was sich wohl aus der Großzügigkeit ihrer Form und dem Gefühl, von üppigen Bahnen von Stoff umgeben zu sein, ergibt) nie wirklich aus der Mode kam.
Kurz nach ihrer Erfindung durch Coco Chanel trugen Hollywoodschauspielerinnen wie Greta Garbo oder Rita Hayworth sie in den Dreißigern und Vierzigern zunächst am Filmset in den Pausen. Gerade weil Palazzos meist aus leichter Seide oder weich fallender Viskose waren und wie eine Mischung aus Hose & Rock wirkten, waren sie graziös und bequem zugleich.
Doch es sollte noch knapp zwanzig Jahre dauern bis Yves Saint Laurent im Zuge der aufkommenden Gegenkultur der Sechziger Jahre die Geschlechtergrenzen aufhob und den Anzug für die Frauen erfand. Yves Saint Laurents Entwürfe spielten dabei so virtuos mit Stoff und Proportion, dass kein Kleid anmutiger war. Liz Taylor, Bianca Jagger, Eric Clapton, später Jimi Hendrix oder David Bowie, ob Jetset oder Gegenkultur, sie alle sah man in den neuen Hosen mit dem gigantischen Bein. Zwar verschwand die Hose mit der Disco-Bewegung, doch schon in den frühen Neunziger Jahren feierte sie mit dem Aufkommen des Grunge und gestylt zu Doc Martens und geknoteten T-Shirts ein kurzes Comeback.
Und natürlich war es schließlich Miuccia Prada, die 2008 damit begann, weite, fließende, fliegende Beine aus glänzendem Organza zu schneidern, um an die Grazie vergangener Hollywood Tage zu erinnern. Ob hochtailliert und mondän wie bei Ralph Lauren, Yigal Azrouel oder Givenchy Couture, maskulin mit schwingendem Bein zum Jackett wie bei Aquascutum oder kombiniert mit verspielten Hippieblusen, 2012 findet man sie endlich überall. Und mit dieser Geschichte währt der Trend auch ganz sicher noch länger als eine Saison.









