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New Yorker Stilikonen

Von Iris Apfel bis Chloë Sevigny- Diese Ladys prägen die New Yorker Fashion-Welt

New Yorker Stilikonen

Der Berliner Stil wird gerne als under-dressed und cool beschrieben, der Pariser als die Definition von chic und denkt man Los Angeles, sieht man Mädchen mit wallendem Haar im Hippie-Chic-Look mit viel Schmuck und vielen Fransen. Mit New York ist das nicht ganz so einfach. Hier trifft so vieles aufeinander: Die coolsten It-Girls, fabelhaft exzentrische Damen oder Kids mit der coolsten Streetwear.

Stilikonen bewundern wir, weil sich nicht nach Trends richten, sondern weil sie ihr Äußeres und Mode nutzen, um ihre Persönlichkeit zu unterstreichen – und dabei fabelhaft aussehen. Es gibt eine Handvoll von Frauen, die man als New Yorker Stilikonen bezeichnen kann, weil sie einen Stil verkörpern, der typisch für diese Stadt ist und die zu ihrer Zeit und noch Jahrzehnte danach die Modewelt wie wenige andere inspiriert haben.

Debbie Harry

Debbie Harry mit „Super-Groupie“ Sable Starr. Foto: Ron Galella. Aus: Disco Years,  erschienen bei powerHouse Books.

Debbie Harry mit „Super-Groupie“ Sable Starr. Foto: Ron Galella. Aus: Disco Years, erschienen bei powerHouse Books.

Debbie Harry war das ursprüngliche „Rock’n’Roll Chick“, eine Mieze, die mit cooler, subtiler Sexiness zum Liebling der New Yorker Punkszene wurde. Bekannt wurde die Sängerin von Blondie für superknappe Miniröcke, Lederjacken und Nietengürtel, schenkelhohe Stiefel und natürlich ihr platinblondes Haar.

Ende der 1960er, mit Anfang 20, zog Debbie Harry nach New York und jobbte zunächst als Kellnerin, Tänzerin und Sekretärin. 1973 traf sie Chris Stein, mit dem sie eine Band gründete. Männer riefen ihr auf der Straße „Hey Blondie!“ hinterher und so nannten sie sich Blondie. Ihr faszinierender Look und ihre einnehmende Ausstrahlung trugen zum schnellen Erfolg der Band bei.

Die Musikszene dieser Zeit traf sich vor allem in Downtown Manhattan, in den inzwischen legendären Clubs CBGBs und Max’s Kansas City, in denen neben Blondie regelmäßig Bands wie den Ramones und die New York Dolls auftraten. Im Gegensatz zu den Hippies trugen diese frühen Punks dunkle, eng anliegende Kleidung. In dieser Szene entstand der einzigartige Look von Debbie Harry, ein Popstar im Werden. Ihr Stil war zum Teil von Marilyn Monroe inspiriert, doch war er cooler, mehr „Downtown“ New York.  Sie war ein toughes, wildes Mädchen mit dramatischem Augen-Makeup, hypnotisierenden Bewegungen auf der Bühne und gebleichten Haaren – einem Look, der nach wie vor auf den Popbühnen wie in den Clubs der Welt zu finden ist.

Grace Jones

Grace Jones bei einer Party in Le Bar Bat, 1993. Foto: Rose Hartman. Rechte bei der Fotografin, der Gladys Marcus Library und FIT Archives.

Grace Jones bei einer Party in Le Bar Bat, 1993. Foto: Rose Hartman. Rechte bei der Fotografin, der Gladys Marcus Library und FIT Archives.

Grace Jones’ eindrucksvolle, eindringliche Präsenz und ihre einschüchternde, kantige Schönheit machte sie zur Queen of Disco. Sie trat im legendären Studio 54 auf und verkörpert alles, was wir mit den New Yorker Disco-Jahren verbinden: Glamour, bewusste Androgynität, unverhohlene Sexualität. Ihr Stil entsprach (und entspricht) ihrer Persönlichkeit: unerschrocken, frech, amüsant und absolut übertrieben. Die Sängerin und Schauspielerin ist eine der ersten, die so konsequent Mode und Sex vermischten. Sie wurde zur Muse von Künstlern wie Andy Warhol, Keith Haring und  Jean Paul Goude, deren Werke sie zur Legende machten.

Grace Jones war vor mehr 35 Jahren mit extravaganten Kreationen ihrer Zeit weit voraus und heute beschimpft sie Lady Gaga als „unoriginell“, geht sogar soweit zu sagen: „Sie kopiert mich!“ Sie trug Kleidung nicht, sie feierte sie und mit ihr ihre eigene Einmaligkeit.

Chloë Sevigny

Chloë Sevigny in ihren eigenen Entwürfen für Chloë Sevigny x Opening Ceremony, Kollektion Resort 2011.

Chloë Sevigny in ihren eigenen Entwürfen für Chloë Sevigny x Opening Ceremony, Kollektion Resort 2011.

Chloë Sevigny in ihren eigenen Entwürfen für Chloë Sevigny x Opening Ceremony, Kollektion Resort 2011.

Chloë Sevigny in ihren eigenen Entwürfen für Chloë Sevigny x Opening Ceremony, Kollektion Resort 2011.

Schon bevor sie als Schauspielerin Berühmtheit erlangte, war Chloë Sevigny für ihren von New Yorker Subkultern geprägten Stil bekannt und große Modehäuser versuchten, den „Chloë-Stil“ nachzuahmen. 1994 bezeichnete Jay McInerney im New Yorker Chloë Sevigny als „das It-Girl der Neunziger.“ Damals trug sie noch Skaterschuhe und Latzhosen aus Second-Hand-Läden und nur selten ein Outfit, das mehr als 10 Dollar gekostet hatte.

Inzwischen sieht man Chloë Sevigny in Yves Saint Laurent, Céline, Proenza Schouler und ihr Interesse andMode führte sogar zu einer Karriere als Modedesignerin; sie entwirft regelmäßig eigene Kollektionen für Opening Ceremony. Chloë ist zweifelsohne eine der einflussreichsten Stilikonen der 1990er und 2000er Jahre. Ob sie durch die Straßen von New York oder über einen roten Teppich läuft, Chloë ist immer einzigartig, originell, mutig und schon immer dem Trend voraus. Ihr Stil verändert sich stets und ständig, von eigentümlich und skurril zu stylisch oder sexy.

Auch wenn sie berühmt für ihren besonderen Geschmack ist, Stilikone oder „It-Girl“ wird Chloë nicht gerne genannt: „Ich schätze, ich habe einen guten Stil. Aber mir wäre es lieber wenn Leute kämen, um zu sagen, ‚Ich mochte dich wirklich sehr in diesem oder jenem Film’ anstelle von ‚Ich mag total gerne, wie du dich anziehst.’ Das ärgert mich.“

Der Begriff „It-Girl“ sei sowieso viel zu abgenutzt, schon gar nicht will sie mit den It-Girls der 60er wie dem Poor Little Rich Girl Edie Sedgwick verglichen werden: „In den 60ern wurden die It-Girls zu Damen der Gesellschaft und Musen – berühmt nur dafür ‚it’, das gewisse Etwas, zu haben, und ‚fabelhaft’ zu sein. Dabei war Edie einfach nur eine reiche Drogenabhängige. Als ich plötzlich It-Girl genannt wurde, dachte jeder, ich sei das auch. Ich sah ja aus wie ein Junkie, schließlich waren es die 90er und Grunge war in Mode. Aber ich hatte immer irgendetwas zu tun, war nicht bloß ein Partygirl.“

Chloë Sevignys Stil lässt sich in keine Kategorie stecken, sie sieht in eleganten und einfallsreichen Roben auf dem roten Teppich stets genauso umwerfend aus wie in Jeans-Shorts und mit Socken in Sandalen. Alle New Yorker Mädchen wollen aussehen wie sie – aber wichtig sind nicht nur die Kleider, sondern vor allem die Chloë-Attitüde, die alles so einfach und unkompliziert aussehen lässt.

Iris Apfel

Porträt: Iris Apfel. Foto: Bruce Weber.

Porträt: Iris Apfel. Foto: Bruce Weber.

Das Bild im Kleiderschrank: Iris Apfel, 2009 Foto: Peabody Essex Museum.

Das Bild im Kleiderschrank: Iris Apfel, 2009 Foto: Peabody Essex Museum.

In den 1940er Jahren, als nur Holzfäller und Feldarbeiter den blauen Baumwollstoff Denim trugen, ging ein hartnäckiges junges Mädchen dem Besitzer eines Geschäfts für Arbeitsbekleidung in Wisconsin solange auf die Nerven, bis er ihr schließlich ein Paar Jeans in Jungs-Größe bestellte. Sie wollte sie mit einem Turban und großen Creolen kombinieren – schon hier zeichnete sich an, dass Iris Apfel zur Modevisionärin werden sollte, wahrscheinlich hat sie sogar dazu beigetragen, die Damenjeans ins Leben zu rufen. Inspiriert durch Duke Ellington, Billie Holiday und andere Jazz-Musiker, begann Iris Apfel früh, klassische Couture mit folkloristischen und Ethno-Elementen zu ihrer ganz eigenen Ästhetik zu vermischen.

Bekannt für ihre eklektische Verschmelzung von Designer-Kleidung mit exotischen Accessoires beweist Iris Apfel, dass eine Stilikone nicht nur ausmacht was sie trägt, sondern wie es sie trägt. Im Alter von 90 Jahren unterstreichen spektakuläre und erfinderische Kombinationen mehr denn je den unerschöpflich kreativen Geist von Iris Apfel, deren Garderobe vor einigen Jahren sogar die Ausstellung „Rare Bird“ („Seltener Vogel“) gewidmet wurde. Mit ihrem Stil, den die New York Times als „kontrollierte Extravaganz“ bezeichnet, schafft es die Mitbegründerin einer international erfolgreichen Textil-Design-Firma seit Jahren auf internationale Best-Dressed-Listen.

Auch wenn nur wenige in der täglichen Kleiderwahl so furchtlos wie Iris Apfel, Chloë Sevigny oder Grace Jones sind, kann man sich doch von ihnen inspirieren lassen Risiken einzugehen, Accessoires wie Kleider als eine Form kreativen Ausdrucks zu betrachten und vor allem Spaß dabei zu haben! Vielleicht machen es Iris Apfels Regeln einfacher:

  1. Nehmen Sie sich oder Ihr Outfit nie zu ernst.
  2. Machen Sie einen Abstecher ins Tierreich.
  3. Erwägen Sie die Geistlichkeit.
  4. Reisen sie viel und weit.
  5. Mischen Sie „High Fashion“ mit „Low Fashion.“
  6. Ärgern Sie sich nicht über Ihr Alter.
  7. Scheuen Sie sich nicht, den Straßenverkehr zu stoppen.

(Aus: Rare Bird of Fashion: The Irreverent Iris Apfel von Eric Bowman)